Die dunkle Seite der Spaßkultur
- Hendrik Bicknäse

- 12. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Eine enthemmte Spaßgesellschaft kann als Sinnbild für die Krise der Eigenverantwortung gelten. Dabei übernimmt die jüngere Generation die Werte, die ihnen die Gesellschaft vorlebt und in den Medien nahegebracht wird. Vergnügen und Konsum stehen zunehmend an erster Stelle. Dabei sollten die Wonnen der Unterhaltung und der Warenwelt Mittel sein, um etwas Größeres im Leben zu erreichen. Eine Kultur, die hauptsächlich auf Ablenkung aus ist, wird nicht Neues erfinden, wird sich nicht weiterentwickeln. Denn das erfordert Arbeit. Konsum um seiner selbst willen schwächt eine Gesellschaft. Stockt der Nachschub an materiellen Gütern, entsteht eine Sinnkrise, weil der wichtigste Lebensinhalt entfällt.
Wir haben uns angewöhnt, die Verantwortung für unsere Sicherheit an öffentliche Stellen zu delegieren. Zusätzlich nimmt uns die Sozialpolitik die Sorge um den Lebensunterhalt ab. Selbst unsere Gesundheit machen wir zur Aufgabe des Staates. Er soll mit Verboten für Zucker und Fett richten, wozu seine Bürger offenbar nicht mehr fähig sind: auf die eigene Ernährung zu achten. Dabei gibt es kaum eine persönlichere Entscheidung als die, was man isst. Dennoch halten aktivistische Gurus, Medien und Ministerien die Bevormundung auf dem Teller für völlig natürlich.
Die Kehrseite der Spaßgesellschaft ist das Verschwinden der Selbstverantwortung sowie eine schleichende Entmündigung. Es sind nicht allein die Angehörigen der jüngeren Generation, die ein irrationales Vertrauen darin setzen, dass ihnen Ämter jedes Risiko abnehmen. Eine Gesellschaft, die sich vorrangig amüsieren will, erwartet eine Rundumbetreuung.
Wenn die Verwaltung für alles und jeden Regeln aufstellt, muss sie deren Einhaltung überwachen können. Entsteht ein Kontrollverlust durch das Versagen Einzelner, vor allem auch durch die Überlastung des Staates mit zu vielen Aufgaben, dann ist der dümmste aber auch bequemste Weg nach schärferen Vorschriften zu rufen, wie dies Politiker häufig tun. Dabei schafft eine bis ins Detail reichende Reglementierung nur ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Wie selbstverständlich die Individuen in der Lage sind zu handeln, entscheidet letztlich über die Widerstandskraft einer Gesellschaft. Hier schneiden die USA im Vergleich am besten ab. In Europa ist es Mode geworden, die USA als ein von Populismus und Polarisierung zerfressenes Land im Niedergang zu beschreiben. Dabei sind individuelle Freiheit und Verantwortung dort groß – und damit die Fähigkeit mit Schwierigkeiten verschiedenster Art fertig zu werden. Am anderen Ende der Skala rangieren Diktaturen wie China und Russland. Wie wenig es funktioniert, wenn der Staat bis in die Volksgesundheit jedes Detail kontrollieren will, zeigt sich in einer Pandemie. Irgendwo in der Mitte rangieren europäische Länder. Deutschland ist besessen von der Idee der sozialen Gerechtigkeit. So werden möglichst viele Unterschiede planiert und damit wichtige Anreize für tüchtiges selbstbestimmtes Handeln, für mutige Selbständigkeit.
Göttingen, 12.01.2026





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